Hope Value: Bald kommt die Flut
Posted on August 21st, 2007 in Gastbeiträge | 5 Comments »
Blase oder nicht?
Diese Frage muss man in diesem Jahr mindest einmal gestellt haben, ob aus begründetem Interesse oder nur der vermeintlichen Coolness halber, um auf der aktuellen Kritikerwelle („Das hat doch keine Zukunft!“) mitschwimmen zu können. So oder so ist die Frage berechtigt: Wenn ich bei Venturebeat lese, dass ein neuer Youtube-Zögling von NBC 100 Millionen US-Dollar Venture Capital für einen 10%-Anteil erhält (Zwischenfrage: Wofür braucht der zweitgrößte Medienkonzern der USA eigentlich Risikokapital?) und das x-te Mütternetzwerk im chronisch kinderlosen Deutschland startet (Differenzierung: „Bei uns kann auch die ganze Familie mitmachen“), dann frage ich mich schon, wer für die ganzen Unternehmen morgen zahlen soll. Von etwas weiter weg betrachtet steht es eigentlich viel versprechend um die zweite Gründerwelle: Es ist weniger Kapital im Umlauf als 1999-2001, Investments werden sorgfältiger gewählt, intensiver betreut – ein Proof of Concept ist Pflichtprogramm, die „Das wird schon…“-Attitüde ist vom Tisch.
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Ein Gastbeitrag von Gleb Tritus (Townster Gründer) |
X hat keine Zukunft und Y ist eine Totgeburt
Wir spüren das bei unseren Investorengesprächen deutlich und deuten dies als einen positiven Trend, der unserem Sektor wieder zu einem ernsthafteren Standing verhelfen dürfte. Einst einer der Gewehr bei Fuß „Keine Blase!“ gerufen hat, sehe ich die Startup-Landschaft nämlich doch wieder auf die alten Verhältnisse zusteuern: Jeder, der Microsoft Frontpage auf der Platte und Visitenkarten von VistaPrint in der Tasche hat, nennt sich Founder, CEO und/oder General Manager. Entsprechend verkneife ich mir mittlerweile das Seufzen, wenn ich zum zehnten Mal pauschal dahingehaucht höre, das X „keine Zukunft“ hat und Y eigentlich „eine Totgeburt“ ist – bei den gefühlten zehn Neugründungen pro Tag vergessen die Leute, dass man (noch immer!) gutes Geld im Netz verdienen kann und es nicht wenige Gründer gibt, die dies von ihrem Background und Commitment her auch bestens beherrschen. Lektion: Das kollektive Web 2.0-Bashing kennt keine Ausnahmen.
Das Wort zum Sonntag 2.0
Grundsätzlich finde ich es wunderbar, dass so viele Menschen Spaß am Unternehmertum haben oder zumindest denken, sie könnten da welchen finden. Doch wenn ich den inflationären Einstand vermeintlicher „Boom-Themen“ betrachte, bekomme ich ernsthafte Zweifel hinsichtlich der Beständigkeit. In den letzten Monaten buhlen hierzulande sechs Auto-Communitys, neun Mütter-/Väter-Netzwerke, sechs Sportler-Netzwerke und sechs Microblogging-Dienste à la Twitter um die Gunst des reizüberfluteten Kunden, der eigentlich nur Mails abrufen und das Programm seines Stammkinos online einsehen möchte. Selbst wenn die Pflichtlektüre „The Long Tail“ prophezeit, dass die Zukunft in Nischenmärkten liegt, kann man zunehmend nur die Stirn runzeln: Nische, ja! Aber nicht, wenn sie schon fünffach besetzt ist. Mein Wort zum Sonntag: Es werden deutlich mehr Unternehmen überleben als bei der Bubble 1.0, doch eine radikale Grundbereinigung – in jeder Sparte werden die ein, zwei größten Player stehen bleiben – ist wieder unausweichlich. Vom Feeling her habe ich inzwischen ein sehr gemischtes Gefühl, um mit Andy Möller zu sprechen.

5 Responses
Ich denke eh das die web1.0 Kollegen mehr Vorteile haben als alle denken
. Die ganzen Gründungen für web 2.0 in allen Ehren – ich finde es toll was da alles an Ideen kommt und was alles umgesetzt wird. Aber – es muss Geld bringen – das vergessen die meisten.
Grüße
Jens
Bei Radio ffh gibt es an diesem Donnerstag eine Aktion. 1000 Babys für Hessen. Damit sollen zumindest schon mal 1000 Mütter mehr im Land ihr Dasein fristen …. also neue potenzielle Kunden für Mutternetzwerke werden gerade geworben …
[...] oder nicht? Eine derzeit fast schon inflationär gestellte Frage, der sich Gleb im Rahmen eines Gastkommentars bei unseren Freunden von Internetboom angenommen hat. Enjoy und ein schönes [...]
Sehr schöner Gastbeitrag! Es wird sicherlich spannend in den nächsten Monaten und sicherlich findet auch eine Zeit der Konsolidierung statt, aber diesem unterliegt ja fast jeder Wirtschaftszweig und in diesem Zeitraum wird sich die Qualität durchsetzen. Wer schafft sich eine USP, wer bringt neue Innovationen… Es bleibt spannend…
Mal ganz ehrlich, wir sollten doch alle froh sein, dass es wieder eine neue Gründeroffensive im Web gibt. Das Web (diesmal 2.0) mausert sich wieder zu einer Plattform, auf der kreative Geschäftsmodelle einen Platz haben. Klar, wir haben alle das Desaster mit der Web 1.0 Blase noch im Kopf, aber ich denke es ist wieder mal ein deutsches Phänomen, gleich den Teufel an die Wand zu malen und Blase, Blase zu schreien. Wie in jedem Geschäft kommt es auch hier an die richtige Herangehensweise an. Was für Unternehmen der “realen” Welt gilt, nämlich ein gut durchdachter Geschäftsplan und professionelle Herangehensweise, gilt auch für Web 2.0. Allein die Idee reicht längst nicht aus. Am Ende wird es kommen wie in jeder Branche. Es findet eine Konsolidierung statt und überleben werden die mit der besten Idee, dem besten Marketingkonzept oder die, die den längsten finanziellen Atem haben. Der große Unterschied zur Web 1.0 Blase ist, dass Investoren viel genauer und kritischer hinschauen, bevor sie sich engagieren. Das Geld sitzt nicht mehr so locker und als Gründer muss man schon sehr überzeugend sein Konzept und dessen Nachhaltigkeit präsentieren.
Also freuen wir uns doch über Web 2.0 und gründen, gründen, gründen.