Jana EggersKaum ist Lukasz weg und tingelt durch die deutsche VC- und Dampfplauderer-Szene, weht bei Spreadshirt ein anderer Wind. Alle müssen englisch sprechen, Bürokratie ist das neue Unternehmensmotto und der deutsche Markt verkommt zum Nebenschauplatz. So klang das in einigen Blogs und Medien.

Mit diesen Gerüchten räumt die neue Chefin Jana Eggers in ihrem Blog jetzt auf und schildert die geplanten Veränderungen aus ihrer Sicht:

1. Dezentralisiertes Management

Sie erläutert das an einem Beispiel. Vor einiger Zeit hat Lukasz sie gefragt, ob sie ein Projekt so realisiert hätte, wie es realisiert worden ist. Nach der klaren Antwort “Nein!” kam die Frage, warum sie es dann so geschehen ließ? Darauf hatte die 38-jährige Amerikanerin eine ebenso einfache wie einleuchtende Antwort: Es lief noch innerhalb des Toleranzbereiches von “richtig gemacht”. Und genau das ist es, was sie sich als künftigen Managementstil vorstellt. Sie gibt als Chefin das Endziel und Guidelines vor. Die konkreten Schritte zur Erreichung des Ziels liegen aber im Rahmen der Richtlinien in der Verantwortung der Teams.

2. Adressierung des Massenmarktes

Jana möchte die Zielgruppe von den “early adopters” auf die – wie sie es nennt – “early majority” ausdehen. Das entspricht im Grunde dem, was schon in mehreren Interviews gesagt wurde. Spreadshirt ist außerhalb des “Webcores” als Marke kaum bekannt. Und die größten Wachstumschancen bestehen wohl darin, in den schon adressierten Märkten in das Endkundengeschäft zu drängen.

3. Konzentration auf das Kerngeschäft

Auch etwas, was Lukasz schon in diversen Interviews angesprochen hatte. Spreadshirt hat teilweise einfach zuviel gemacht. Wenn man Qualität wahren will, muss man sich auf das konzentrieren, was man wirklich gut kann.

Kommentar: Schöne Worte! Schauen wir mal, wie das in der Praxis aussieht. Ob man den Spirit eines Dotcoms wahren kann und den Laden trotzdem auf Wirtschaftlichkeit und Effektivität trimmt. Wenn ein Gründer und langjähriger Unternehmenslenker den Laden verläßt, ist das immer eine sehr kritische Situation. Ich will Spreadshirt ganz sicher nicht mit Apple oder Dell vergleichen. Aber es wäre nicht das erste Mal, daß man den “Chef” zurückholt. Die Ansätze klingen aber durchaus gut und ich wünsche Jana viel Erfolg!